Musik

17 heftige Beefs der Popgeschichte: Von Oasis vs. Blur bis Kanye vs. Taylor Swift

today03.04.2025

Hintergrund

Von Lippensynchronisations-Vorwurfen über Genitalienvergleiche bis hin zu Studiopruegeleien – die Popgeschichte ist voll von legendären Fehden zwischen Kuenstlern. Diese Beefs haben nicht nur die Musikwelt gespalten, sondern auch Generationen von Fans in fesselnde Lagerbildungen versetzt. Ob Britpop-Rivalen, Hip-Hop-Groessen oder deutsche Schlagerstars – kaum eine Musikszene bleibt von den manchmal amuesanten, oft aber auch erschreckend eskalierenden Konflikten verschont.

Die Mutter aller Popmusik-Beefs: Blur gegen Oasis

17 heftige Beefs der Popgeschichte: Von Oasis vs. Blur bis Kanye vs. Taylor Swift

Es war der Konflikt, der den Britpop der 90er Jahre definierte. Als Damon Albarn von Blur bewusst den Veröffentlichungstermin ihrer Single „Country House“ auf denselben Tag legte wie Oasis‚ „Roll With It“, entfachte er einen regelrechten Chartkrieg. Die britische Presse überschlug sich, während Fans beider Lager eifrig Platten kauften, um ihre Favoriten an die Spitze zu bringen. Blur gewann die Schlacht mit Platz 1, Oasis musste sich mit Platz 2 begnügen. Der Beef ging weit über Verkaufszahlen hinaus – er repräsentierte einen Klassenkonflikt im britischen Pop: Blur als intellektuelle Mittelschicht-Band gegen die Arbeiterklasse-Helden Oasis. Interessanterweise haben Damon Albarn und Noel Gallagher 2017 ihre Differenzen beigelegt und sogar zusammengearbeitet.

Apropos Noel Gallagher – der Mann hat ein besonderes Talent für markige Sprüche. Über Radiohead ließ er einst verlauten: „Ich schätze, wenn Thom Yorke in eine Glühbirne scheißen würde, bekäme er wahrscheinlich immer noch 9 von 10 Punkten im Mojo-Magazin.“ Diese Aussage zeigt, wie kreativ Musiker in ihren Beleidigungen werden können, wenn es darum geht, die Konkurrenz zu diskreditieren.

Nicht weniger unterhaltsam war der Schlagabtausch zwischen Sir Elton John und Madonna. Der Brite griff die Queen of Pop mehrfach öffentlich an und bezeichnete ihren Bond-Song als „den schlechtesten Bond-Titelsong aller Zeiten“. Besonders bissig wurde es, als er über ihre Live-Performances urteilte: „Ich denke, dass jeder, der auf der Bühne lip-synct, erschossen werden sollte.“ Später bereute Elton John seine harschen Worte und versöhnte sich mit Madonna.

Während einige Beefs mit Versöhnungen enden, nahm der Konflikt zwischen Tupac Shakur und Biggie Smalls einen tragischen Verlauf. Was als persönliche Rivalität begann, eskalierte zu einer gefahrlichen Ost-West-Küsten-Fehde im US-HipHop. Nach einem Anschuss auf Tupac, für den er Biggie verantwortlich machte, verschärfte sich der Konflikt. Beide Rapper wurden später ermordet – Tupac 1996, Biggie 1997. Ihre Tode lösten eine Gewaltspirale aus, die den amerikanischen HipHop auf Jahre prägte und zahlreiche weitere Konflikte nach sich zog.

Moderner, aber nicht weniger intensiv ist der Beef zwischen Taylor Swift und Kanye West. Begonnen hat alles bei den MTV Video Music Awards 2009, als Kanye Swift während ihrer Dankesrede unterbrach. „Yo Taylor, I’m really happy for you, I’mma let you finish, but Beyoncé had one of the best videos of all time,“ sagte er, bevor er von der Bühne gejagt wurde. Sogar Barack Obama mischte sich ein und nannte West einen „Trottel“. Der Konflikt schwelt bis heute und hat beide Kuenstler zu einigen ihrer persoenlichsten Songs inspiriert.

Manchmal geht es in Beefs erstaunlich intim zu, wie der Streit zwischen den Rolling Stones-Legenden Mick Jagger und Keith Richards zeigt. In seiner 2010 erschienenen Autobiografie beschrieb Richards Jaggers Genitalien als unterdurchschnittlich groß, was zu erheblichen Spannungen zwischen den beiden Urgesteinen fuehrte. Ein aehnlich intimer Konflikt spielte sich in Deutschland zwischen Dieter Bohlen und Hartmut Engler ab, als Bohlen sich abfaellig über den Koerper des Pur-Saengers aeusserte.

Der deutsche HipHop hat seine ganz eigene Beef-Kultur entwickelt. Moses Pelham und die Fantastischen Vier lieferten sich einen der ersten großen Rap-Beefs hierzulande. Als Pelham die Fantas als „Reihenhausrapper“ bezeichnete, konterten diese mit dem Track „MfG“, in dem sie subtil auf Pelhams Schwaechen hinwiesen. Wesentlich direkter ging es zwischen Animus und Manuellsen zu, als Ersterer im Studio des Letzteren k.o. geschlagen wurde. Manuellsen selbst musste spaeter Federn lassen, als er einen Boxkampf gegen Boezemann verlor.

Bushido und Kay One lieferten sich einen der medienwirksamsten Konflikte des deutschen Rap. Nach Kay Ones Ausstieg bei ersguterjunge veröffentlichte Bushido den zehnminuetigen Disstrack „Leben und Tod des Kenneth Glöckler“, woraufhin Kay One mit „Nichts als die Wahrheit“ antwortete und schwere Vorwuerfe über Bushidos Verbindungen zur organisierten Kriminalitaet erhob.

Auch in der Indie-Szene wird nicht mit Samthandschuhen angefasst. Die Hamburger Band Oma Hans warf Kettcar vor, sich an Major Labels verkauft zu haben, was zu einer hitzigen Auseinandersetzung zwischen beiden Bands fuehrte. Noch kurioser wurde es im Fall von „Der wahre Heino“ gegen den echten Heino. Die Punkband, die den Volksmusiker parodierte, wurde verklagt und durfte ihren Namen nicht mehr verwenden.

In juengerer Zeit sorgte Katja Krasavice fuer Aufsehen, als sie mit einem Disstrack gegen Dieter Bohlen nach dessen sexistischen Aeusserungen in der DSDS-Jury vorging. Die Rapperin Vita wiederum kritisierte in ihren Tracks die vermeintliche Oberflaechlichkeit von Kolleginnen wie Shirin David und Loredana und forderte mehr Substanz im deutschen Rap.

All diese Beispiele zeigen, dass Beefs in der Popmusik mehr sind als nur Marketing-Tools. Sie spiegeln gesellschaftliche Spannungen wider, oeffnen persönliche Verletzlichkeiten und treiben künstlerische Innovation voran. Ob als unterhaltsames Spektakel oder als ernschafte Auseinandersetzung – der musikalische Beef bleibt ein faszinierendes Phänomen der Popkultur, das auch in Zukunft fuer Schlagzeilen sorgen wird.

Geschrieben von: RadioMonster.FM