Wirtschaft & Politik

AfD-Höhenflug: Warum die Rechtspartei in Umfragen der Union gefährlich nahe kommt

today24.03.2025

Hintergrund

Die politische Landschaft in Deutschland erlebt eine bemerkenswerte Verschiebung: Die AfD verzeichnet einen Rekordwert in den Umfragen und rückt bedrohlich nah an die Union heran. Laut der jüngsten INSA-Erhebung erreicht die Alternative für Deutschland 23 Prozent und liegt damit nur noch vier Prozentpunkte hinter CDU/CSU – so knapp wie nie zuvor. Während die etablierten Parteien an Zustimmung verlieren, gewinnt die Rechtspartei kontinuierlich an Boden. Diese Entwicklung sorgt für Spannungen in den laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD.

Der aktuelle Stand der Sonntagsfrage

Die neuesten Umfragewerte malen ein deutliches Bild der politischen Stimmung im Land. Nach den Erhebungen des Meinungsforschungsinstituts INSA, die zwischen dem 17. und 21. März 2025 unter 1202 Personen durchgeführt wurden, ergibt sich folgendes Bild:

CDU/CSU kommt auf 27 Prozent (-1%), während die AfD mit 23 Prozent (+1%) den höchsten jemals gemessenen Wert erreicht. Die SPD fällt auf 15 Prozent (-1%), die Grünen können sich leicht erholen und landen bei 12 Prozent (+1%). Die Linke hält stabil bei 10 Prozent, während das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit 5 Prozent um den Einzug ins Parlament bangen muss. Die FDP bleibt mit 3 Prozent weiterhin unter der parlamentarischen Relevanz.

Gründe für den AfD-Höhenflug

INSA-Chef Hermann Binkert erklärt den Aufschwung der AfD mit einer wachsenden Enttäuschung über die etablierten Parteien: „Die AfD profitiert vom Ergebnis der Sondierungen und den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD. Letztlich hat die Union mit dem Schuldenpaket nicht gehalten, was sie vor der Wahl versprochen hat. Mancher Enttäuschte geht zur AfD.“

Besonders das kürzlich beschlossene Finanzpaket scheint viele Wähler zu verstimmen. AfD-Chefin Alice Weidel nutzt diese Stimmung und kritisiert: „Es wurden gigantische Schulden beschlossen. Bei den Wahlverlierern von SPD und Grünen knallen die Korken, denn sie können jetzt so viel Geld ausgeben für Programme, die sie als Regierungsparteien nicht haben umsetzen können.“

Migrationsdebatte als Katalysator

Ein weiterer Faktor für den Aufstieg der AfD ist die anhaltende Debatte um die Migrationspolitik. Der Streit zwischen Union und SPD zu diesem Thema hat in den Koalitionsverhandlungen bereits für erhebliche Spannungen gesorgt. Wie aus gut informierten Kreisen verlautet, eskalierte die Situation derart, dass einige Verhandler zeitweise den Raum verließen, um den emotionalen Konflikt zu entschärfen.

Die AfD positioniert sich in dieser Debatte mit klaren, restriktiven Forderungen und spricht damit offenbar eine wachsende Wählerschaft an, die sich von den traditionellen Parteien in dieser Frage nicht mehr vertreten fühlt.

Schwierige Koalitionsoptionen

Die aktuellen Umfragewerte stellen die demokratischen Parteien vor erhebliche Herausforderungen bei der Regierungsbildung. Eine schwarz-rote Koalition käme mit 42 Prozent nicht mehr auf eine parlamentarische Mehrheit. Selbst unter Einbeziehung der Grünen würde eine schwarz-rot-grüne Koalition mit 54 Prozent zwar eine stabile Mehrheit darstellen, aber die programmatischen Differenzen erscheinen beträchtlich.

Rein rechnerisch könnten Union und AfD zusammen auf 50 Prozent kommen, doch CDU und CSU haben eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ausgeschlossen.

Reaktionen aus dem politischen Berlin

Die Grünen-Chefin Franziska Brantner zeigt sich trotz der Umfragewerte kämpferisch: „Wir haben dort Verantwortung übernommen, wo andere längst gekniffen hätten. Jetzt liegt es an Union und SPD zu zeigen, dass sie es auch wirklich können.“ Sie betont, dass es am Geld nicht scheitern werde – höchstens am „politischen Willen“.

Die scheidende Bundestagspräsidentin Bärbel Bas äußert sich besorgt über die zunehmende Schärfe der politischen Auseinandersetzung. „Ordnungsrufe haben massiv zugenommen“, stellt sie fest, zeigt sich aber dennoch „optimistisch“ für die Zukunft der parlamentarischen Debatten.

Historische Entwicklung der Parteienlandschaft

Ein Blick auf die Entwicklung seit der Bundestagswahl 2021 zeigt deutliche Verschiebungen in der politischen Landschaft. Nach der Wahl war die SPD zunächst die stärkste Kraft in den Umfragen, wurde aber bald von der Union überholt. Die Parteien der damaligen Ampelkoalition verloren kontinuierlich an Zustimmung, was letztlich zum Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2025 führte.

Die AfD profitierte von dieser Entwicklung erheblich und stieg Mitte 2023 zur zweitstärksten Partei auf. Nach einem leichten Rückgang der Zustimmungswerte im Jahr 2024 scheint die Partei nun wieder deutlich an Fahrt aufzunehmen.

Ausblick: Was bedeutet der AfD-Höhenflug für Deutschland?

Der kontinuierliche Aufstieg der AfD stellt die deutsche Demokratie vor eine ernsthafte Bewährungsprobe. Die traditionellen Parteien stehen unter Druck, überzeugende Antworten auf die Fragen zu finden, die viele Wähler zur AfD treiben.

Besonders brisant erscheint die Situation angesichts der Tatsache, dass die AfD in einigen ostdeutschen Bundesländern bereits stärkste Kraft ist und nun auch bundesweit der Union gefährlich nahe kommt. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte dies weitreichende Auswirkungen auf die politische Kultur und die Regierungsbildung in Deutschland haben.

Für die demokratischen Parteien wird es in den kommenden Monaten darauf ankommen, nicht nur über Koalitionsoptionen zu verhandeln, sondern auch inhaltlich zu überzeugen und das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen. Der Erfolg oder Misserfolg dieser Bemühungen könnte entscheidend für die Zukunft der politischen Landschaft in Deutschland sein.

Geschrieben von: RadioMonster.FM