Wirtschaft & Politik

DAX aktuell: Zollschock drückt deutschen Leitindex unter 22.000 Punkte – Handelskrieg belastet Märkte

today03.04.2025

Hintergrund

Die jüngsten Ankündigungen der US-Regierung zu neuen umfassenden Zöllen haben die Finanzmärkte weltweit erschüttert. Der deutsche Leitindex DAX reagierte heute mit einem deutlichen Rückgang und fiel unter die wichtige psychologische Marke von 22.000 Punkten. Im frühen Handel verzeichnete der DAX einen Verlust von 2,4 Prozent und notierte bei 21.845 Punkten. Die Unsicherheit unter Anlegern wächst, während Experten vor langfristigen wirtschaftlichen Folgen warnen.

Die neuen US-Zölle und ihre Auswirkungen

DAX aktuell: Zollschock drückt deutschen Leitindex unter 22.000 Punkte - Handelskrieg belastet Märkte

Das angekündigte Zollpaket aus den USA sieht pauschale Abgaben von 10 Prozent auf Importe aus allen Ländern vor. Für Deutschland und andere EU-Staaten fallen die Maßnahmen mit bis zu 20 Prozent besonders drastisch aus. Diese Entscheidung, die bereits ab dem kommenden Samstag in Kraft treten soll, hat Anleger weltweit verunsichert und zu einem Ausverkauf an den Märkten geführt.

Thomas Altmann von QC Partners fasst die Situation deutlich zusammen: „Am US-Tag der Befreiung bleibt vom Freihandel nicht mehr viel übrig.“ Er prognostiziert, dass die neuen Handelsbarrieren „weltweit Wachstum kosten werden“ und sieht den Freihandel in ernster Gefahr.

Die Reaktion des Marktes kommt nicht überraschend. Erst am 18. März hatte der DAX mit 23.476,01 Punkten ein neues Allzeithoch erreicht, seither hat der Index bereits mehr als 1.600 Punkte oder rund 7 Prozent eingebüßt. Die aktuellen Zollankündigungen verschärfen diesen Abwärtstrend.

Analysten warnen vor weiteren Kursrückgängen

Experten der HSBC warnen, dass ein nachhaltiges Abgleiten unter die wichtige Unterstützungszone zwischen 22.407 und 22.125 Punkten zu einem weiteren Rückgang von möglicherweise 1.200 Punkten führen könnte. Mit dem heutigen Kursrutsch ist diese kritische Marke bereits deutlich unterschritten.

Die Ifo-Handelsexpertin Lisandra Flach erwartet aufgrund der Zollmaßnahmen einen dauerhaften BIP-Rückgang von 0,3 Prozent in Deutschland. Diese Prognose unterstreicht die potenziell schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.

Flucht in sichere Häfen

Während die Aktienmärkte unter Druck geraten, suchen Anleger Schutz in traditionellen sicheren Häfen. Gold erreichte heute ein neues Rekordhoch von 3.157,23 Dollar pro Feinunze. Auch Staatsanleihen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit als Alternative zu riskanteren Anlageklassen.

Gleichzeitig steht der Rohstoffmarkt unter Druck. Die Preise für Brent- und WTI-Rohöl sind um etwa 2,5 Prozent gefallen, was die allgemeine Sorge vor einer wirtschaftlichen Abschwächung widerspiegelt.

Euro profitiert überraschend

Interessanterweise konnte der Euro von der aktuellen Situation profitieren und stieg auf den höchsten Stand seit sechs Monaten bei 1,0990 Dollar. Dies ist bemerkenswert, da der US-Dollar in Krisenzeiten normalerweise als sicherer Hafen gilt und an Wert gewinnt.

Stephen Dover von Franklin Templeton bekräftigt angesichts der aktuellen Entwicklungen das „Ende der Freihandelsära“. Diese Einschätzung unterstreicht die fundamentale Veränderung im globalen Handelssystem, die über kurzfristige Marktbewegungen hinausgeht.

Reaktionen der asiatischen Märkte

Auch die asiatischen Aktienmärkte reagierten negativ auf die US-Zollankündigungen. Besonders betroffen war der japanische Nikkei-Index mit einem Rückgang von 2,8 Prozent. China kündigte bereits Gegenmaßnahmen an und kritisierte die US-Politik scharf als Missachtung des internationalen Interessenausgleichs.

Adriana Kugler, Mitglied der US-Notenbank, plädiert angesichts der Zollpolitik für eine Zinspause. Sie warnt davor, dass die steigenden Preise durch die Handelsbarrieren die Inflationsziele gefährden könnten – ein weiterer Aspekt, der die Komplexität der aktuellen wirtschaftlichen Situation verdeutlicht.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob sich der Markt stabilisieren kann oder ob weitere Verluste drohen. Für Anleger bleibt die Situation herausfordernd, da sowohl kurzfristige Marktreaktionen als auch langfristige wirtschaftliche Folgen schwer abzuschätzen sind. Marcel Fratzscher, Präsident des DIW, betont in diesem Zusammenhang, dass „nicht nur die Zölle selbst problematisch sind, sondern auch die Unsicherheit über mögliche Eskalationen des Handelskonflikts“ – ein Faktor, der Investitionsentscheidungen deutscher Unternehmen weiter belasten könnte.

Geschrieben von: RadioMonster.FM