Musik

Die Mekons veröffentlichen „Horror“: Eine bittersüße Geschichtsstunde mit musikalischer Vielfalt

today04.04.2025

Hintergrund

Seit fast 50 Jahren kämpfen die Mekons unermüdlich gegen die Kräfte des Kapitals. Nun kehrt die britische Punkband mit ihrem neuen Album „HORROR“ zurück, das heute erschienen ist. Das Werk setzt sich mit den düstersten Aspekten des Alltags auseinander und vereint dabei verschiedenste Musikstile wie Dub, Folk, New Wave und Americana. Trotz der ernsten Themen beweisen die Indie-Veteranen, dass man auch beim Nachdenken über den Weltschmerz eine gute Zeit haben kann.

Der Alltagshorror im musikalischen Gewand

Die Mekons veröffentlichen
Tom Hilton, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Das neue Album der Mekons handelt von dem, was gestern in der Zeitung stand, was heute darin steht und was morgen darin stehen wird. Die Band rund um die Gründungsmitglieder Jon Langford und Tom Greenhalgh schafft es dabei, ernsthafte Themen mit einem positiven Ansatz zu verbinden. Ein perfektes Beispiel dafür ist der Track „Sad And Sad And Sad“, der trotz seines Titels überraschend fröhlich klingt und im Reggae-Stil über Oliver Cromwell philosophiert.

„Wir möchten uns mit den düsteren Themen auseinandersetzen, aber gleichzeitig eine gute Zeit haben“, erklärt Jon Langford in einem Interview mit Aquarium Drunkard Transmissions. „Save your pessimism for happier times“ – dieses Motto scheint die Band durch die Produktion ihres 20. Studioalbums getragen zu haben.

Politische Tiefe und historische Reflexion

Die Mekons waren schon immer eine politisch engagierte Band. Auf „HORROR“ interessieren sie sich besonders für die Ursachen des imperialistischen Handelns, mit besonderem Fokus auf das britische Empire. „Das hat nicht Trump erfunden, das waren schon die Briten selbst“, betont Langford und verweist damit auf die historischen Wurzeln aktueller politischer Probleme.

Der Eröffnungstrack „The Western Design“ könnte problemlos auf dem legendären Album „London Calling“ von The Clash platziert werden und setzt den Ton für eine bittersüße Geschichtsstunde. In „A Horse Has Escaped“ entzaubert Sally Timms den amerikanischen Cowboy-Mythos mit ihrer charakteristischen Stimme, während „Fallen Leaves“ überraschenderweise Trost statt Traurigkeit bietet.

„Das Album reflektiert die Komplexität unserer Zeit“, erklärt Sally Timms. „In unserem Musikvideo zu ‚Fallen Leaves‘ haben wir Anleihen bei Michelangelo Antonionis Filmästhetik genommen. Rico Bell sieht darin bemerkenswert aus wie ein junger Alain Delon, während ich eher einer gealterten Monica Vitti gleiche.“ Diese humorvolle Selbstreflexion ist typisch für die Band, die trotz ernster Themen nie ihre Leichtigkeit verliert.

Musikalische Vielfalt als Markenzeichen

Mit vier talentierten Songwritern an Bord präsentieren die Mekons auf „HORROR“ eine beeindruckende musikalische Bandbreite. Die Band, die sich ursprünglich 1976 während der britischen Krise formierte, hat im Laufe der Jahre verschiedene Einflüsse in ihre Musik integriert. Diese nomadische Reise durch Zeit und Raum – von Leeds über Kalifornien bis Sibirien – spiegelt sich in ihren globalen Klänen wider.

„Mudcrawlers“ rockt unverblümt, während „Sad & Sad & Sad“ sich als melancholische Seemannslied-Persiflage präsentiert. Die ständigen Wechsel zwischen männlichem und weiblichem Gesang, harmonischen Geigen und verzerrten Gitarren verleihen dem Album eine dynamische Tiefe, die persönliche Erfahrungen mit politischen Themen verwebt.

Jennifer Kelly beschrieb im Podcast Transmissions die zentrale Botschaft des Albums treffend: „Things are very bad, but then again, they always have been.“ Diese düstere, aber realistische Perspektive zieht sich durch das gesamte Werk und verbindet Geschichte mit Gegenwart.

Ein Album für unsere Zeit

„HORROR“ erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem viele Menschen nach Orientierung in einer zunehmend chaotischen Welt suchen. Die Mekons bieten keine einfachen Antworten, aber ihre Musik schafft Raum für Reflexion und Widerstand. Das Album behandelt Themen wie Ambitionen, Kolonialismus, Mord und Raub in einem dynamischen Mix aus verschiedenen Musikstilen.

Simon Coffey, Musikjournalist bei 13th Floor, beschreibt das Album als herausragendes Werk, das in einer Reihe mit den Klassikern „The Quality of Mercy Is Not Strnen“ (1977) und „The Edge of the World“ (1986) steht. Er hebt besonders die Fähigkeit der Band hervor, auch nach fast fünf Jahrzehnten im Musikgeschäft mit ihrem einzigartigen Klang zu überraschen.

Trotz aller Widrigkeiten bleiben die Mekons standhaft und majestätisch. Sie setzen ihren Weg fort und laden dich ein, sie auf ihrer musikalischen Reise durch die Höhen und Tiefen menschlicher Erfahrung zu begleiten. „HORROR“ ist ab heute bei Fire Records erhältlich – als limitierte rote Vinyl-Edition und als CD.

Mekons Horror

Geschrieben von: RadioMonster.FM