Wirtschaft & Politik

Die verlorene Bitcoin-Festplatte: Wie 730 Millionen Euro auf einer Mülldeponie verschwanden

today05.04.2025

Hintergrund

Stell dir vor, ein einfacher Frühjahrsputz oder ein Moment der Unachtsamkeit kostet dich plötzlich mehrere hundert Millionen Euro. Für einen Mann aus Großbritannien ist genau dieses Horrorszenario Wirklichkeit geworden. Im Jahr 2013 entsorgte er versehentlich eine Festplatte mit 8.000 Bitcoins – heute umgerechnet etwa 730 Millionen Euro wert. Seitdem kämpft er um die Chance, seine digitalen Schätze aus der Mülldeponie von Newport zu bergen, doch ein kürzlich gefälltes Gerichtsurteil machte seine Hoffnungen zunichte.

Das Urteil: Keine Grabungserlaubnis für die Bitcoin-Festplatte

Die verlorene Bitcoin-Festplatte: Wie 730 Millionen Euro auf einer Mülldeponie verschwanden

Vor wenigen Tagen hat der High-Court-Richter Andrew Keyser endgültig entschieden: Der Mann erhält keinen Zugang zur Mülldeponie, um nach seiner verlorenen Festplatte zu suchen. In der Urteilsbegründung stellte der Richter fest, dass zu viel Zeit vergangen sei und die Klage keine realistischen Erfolgsaussichten mehr hätte. Ein bitterer Schlag für den Bitcoin-Besitzer, der jahrelang für sein Recht gekämpft hatte.

Der Stadtrat von Newport hatte zuvor bereits sämtliche Anfragen abgelehnt. Die Gründe dafür waren vielfältig und durchaus nachvollziehbar:

– Die Suche würde enorme Kosten verursachen, die in keinem Verhältnis zum Erfolg stehen.

– Es bestünde eine erhebliche Gefahr für die an der Suche beteiligten Personen.

– Die Umwelt könnte durch die Grabungsarbeiten nachhaltig geschädigt werden.

– Nach Entsorgung der Festplatte sei der Mann rechtlich nicht mehr als Eigentümer anzusehen.

Das Zeitfenster schließt sich

Die Situation wird zusätzlich durch die geplante Schliessung der Deponie verschärft. Laut Berichten soll die Mülldeponie von Newport voraussichtlich im Haushaltsjahr 2025-26 – also noch in diesem oder im nächsten Jahr – endgültig geschlossen werden. Ein Sprecher des Stadtrats bestätigte: „Die Deponie ist seit Anfang der 2000er Jahre in Betrieb und nähert sich dem Ende ihrer Lebensdauer. Deshalb arbeitet der Stadtrat an einer geplanten Schliessung und Abdeckung des Geländes in den nächsten zwei Jahren.“

Mit dieser Schliessung würden die Bitcoins für immer unter Tonnen von Müll und Erde begraben – eine Vorstellung, die dem Besitzer schlaflose Nächte bereiten dürfte.

Kein Einzelfall: Wenn digitale Vermögenswerte im Müll landen

Der Fall aus Newport ist zwar besonders spektakulär, aber keineswegs einzigartig. Erst vor kurzem erlebte die 34-jährige Grundschullehrerin Ellie Hart aus Market Harborough ein ähnliches Schicksal. Während eines Frühjahrsputzes entsorgte sie versehentlich einen USB-Stick, auf dem die Bitcoin-Sammlung ihres Partners Tom im Wert von etwa 3,5 Millionen Euro gespeichert war.

„Ich glaube, ich habe ihn weggeworfen“, musste sie ihrem Partner gestehen, nachdem dieser nach dem Stick fragte. Trotz sofortiger Suche im Hausmüll blieb der wertvolle Datenträger verschwunden – und mit ihm die Pläne für ein eigenes Haus und finanzielle Unabhängigkeit.

Wie kannst du deine digitalen Vermögenswerte schützen?

Diese tragischen Geschichten unterstreichen, wie wichtig der richtige Umgang mit digitalen Vermögenswerten ist. Experten raten zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen:

– Sichere wichtige Datenträger wie USB-Sticks oder Festplatten mit Kryptowährungen an mehreren Orten.

– Erstelle Backups deiner Wallet-Schlüssel und bewahre sie getrennt von den Originalen auf.

– Kennzeichne wertvolle Datenträger deutlich, um versehentliche Entsorgung zu vermeiden.

– Nutze ein Bankschließfach für physische Kopien deiner wichtigsten Zugangsdaten.

– Informiere vertrauenswürdige Familienangehörige über die Existenz und den Standort deiner digitalen Vermögenswerte.

Die Zukunftsaussichten für die verlorenen Bitcoins

Für den Bitcoin-Besitzer aus Newport sieht es nach der Gerichtsentscheidung düster aus. Nach der Niederlage vor dem High Court bleiben ihm kaum noch rechtliche Möglichkeiten. Angesichts des immensen Wertes seiner verlorenen Bitcoins ist jedoch zu vermuten, dass er nicht so leicht aufgeben wird.

Die Tatsache, dass die Deponie bald geschlossen werden soll, setzt ihn zusätzlich unter Zeitdruck. Vielleicht wird er versuchen, eine privatwirtschaftliche Lösung zu finden – etwa durch ein Angebot an die Stadt, die Kosten und Risiken der Suche vollständig zu übernehmen.

Die 8.000 Bitcoin bleiben vorerst dort, wo sie sind: begraben unter Tonnen von Müll, unzugänglich für ihren Besitzer und für die gesamte Kryptowelt verloren. Sie gehören damit zu den geschätzten 20 Prozent aller jemals geschürften Bitcoins, die als dauerhaft verloren gelten – sei es durch vergessene Passwörter, beschädigte Festplatten oder, wie in diesem Fall, durch versehentliche Entsorgung.

Geschrieben von: RadioMonster.FM