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today03.04.2025
Die Corona-Pandemie hat nicht nur unser Sozialleben auf den Kopf gestellt, sondern auch die Glückspielslandschaft in Deutschland grundlegend verändert. Während Spielhallen und Casinos schließen mussten, verlagerte sich das Glücksspiel zunehmend ins Internet – mit dramatischen Folgen. Experten warnen vor einer besorgniserregenden Dunkelziffer von Spielsüchtigen, die durch Online-Casinos in den Teufelskreis der Sucht geraten sind. Das kürzliche Geständnis von Ex-Nationalspieler Max Kruse, rund fünf Millionen Euro beim Pokern verloren zu haben, wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, das viel tiefer geht als einzelne Prominentenschicksale.
Als im Frühjahr 2020 der erste Lockdown verhängt wurde, veränderte sich das Spielverhalten in Deutschland dramatisch. Während stationäre Spielmöglichkeiten wegfielen, erlebten Online-Casinos einen beispiellosen Boom. Die Kombination aus Langeweile, Existenzängsten und der ständigen Verfügbarkeit von Glücksspielen im Internet schuf den perfekten Nährboden für problematisches Spielverhalten.
Besonders beunruhigend: Viele Menschen, die zuvor nie oder nur gelegentlich gespielt hatten, entdeckten während der Isolation die vermeintlich harmlose Unterhaltung der Online-Casinos. Die niedrige Einstiegsschwelle – ein Smartphone und eine Internetverbindung genügen – führte dazu, dass zahlreiche Menschen erstmals mit Glücksspielen in Kontakt kamen.
Offizielle Zahlen zur Spielsucht in Deutschland zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Während vor der Pandemie von etwa 500.000 problematischen und pathologischen Spielern in Deutschland ausgegangen wurde, vermuten Suchtexperten heute eine deutlich höhere Dunkelziffer. Schätzungen gehen von mindestens einer Million Betroffenen aus – Tendenz steigend.
Das Problem: Spielsucht wird oft erst spät erkannt. Viele Betroffene spielen heimlich, verheimlichen Verluste und suchen erst Hilfe, wenn die finanziellen und psychischen Probleme übermächtig werden. Die Scham ist groß, der Leidensdruck immens.
Für Aufsehen sorgte kürzlich das schockierende Geständnis des ehemaligen Fußball-Nationalspielers Max Kruse. Im Twitch-Livestream der Rapper Massiv und Ali Bumaye gab er offen zu, „bestimmt fünf Millionen Euro beim Pokern verballert“ zu haben. Kruse, der seit seinem 18. Lebensjahr Online-Poker spielt und seit seinem 21. Lebensjahr jährlich nach Las Vegas reist, verlor deutlich mehr als er je gewann.
„Angefangen hat alles bei Werder Bremen. Da war ich noch Jugendspieler“, erklärte Kruse im Podcast „Life Trash & Rap“. „Seit ich 18 bin, spiele ich Online-Poker. Seit ich 21 bin, fliege ich jedes Jahr nach Vegas.“ Eine besonders bittere Anekdote: 2015 vergaß Kruse 75.000 Euro – den Gewinn einer Nacht im Casino – in einem Berliner Taxi.
Kruses Fall mag extrem erscheinen, doch er steht stellvertretend für Tausende, die im Verborgenen mit ähnlichen Problemen kämpfen – wenn auch meist in kleineren finanziellen Dimensionen.
Die Verlockungen des Online-Glücksspiels sind vielfältig: Bequem von zu Hause aus spielen, keine soziale Kontrolle, aggressive Werbung mit hohen Bonusversprechen und die ständige Verfügbarkeit rund um die Uhr. Hinzu kommt, dass durch Smartphones das Spielen überall möglich ist – in der Bahn, in der Mittagspause oder nachts im Bett.
Besonders gefährlich: Die Hemmschwelle, virtuelles Geld auszugeben, ist deutlich niedriger als bei Bargeld. Ein einfacher Klick genügt, um hunderte Euro einzuzahlen. Die fehlende Transparenz bei Verlustlimits und die ausgeklügelten psychologischen Mechanismen der Spiele verstärken das Suchtpotenzial zusätzlich.
Alarmierend ist vor allem die Zunahme problematischen Spielverhaltens bei jungen Menschen. Die Bundesdrogenbeauftragte warnte bereits vor einer „Generation Glücksspiel“, die durch die Omnipräsenz von Gaming-Elementen mit Glücksspielcharakter und der Normalisierung von Wetten und Casino-Spielen im Internet heranwächst.
Die Grenzen zwischen harmlosem Gaming und Glücksspiel verschwimmen zunehmend. Lootboxen in Computerspielen, Sportwetten-Apps und Casino-Spiele mit Comic-Charakteren sprechen gezielt jüngere Zielgruppen an und können früh problematische Verhaltensmuster etablieren.
Trotz der alarmierenden Entwicklung hinkt die Suchtprävention und -hilfe der Realität hinterher. Zwar gibt es Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Therapieangebote, doch die Hürden sind hoch: Lange Wartezeiten, unzureichende Finanzierung und die geringe Bekanntheit von Hilfsangeboten erschweren den Zugang für Betroffene.
Ein weiteres Problem: Die regulatorischen Maßnahmen zum Schutz vor Spielsucht wurden zwar mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag verschärft, doch die Umsetzung und Kontrolle hinkt hinterher. Spielersperren werden umgangen, Einzahlungslimits durch die Nutzung mehrerer Anbieter ausgehebelt.
Experten fordern daher eine stärkere Regulierung des Online-Glücksspielmarktes, mehr Transparenz bei den Gewinnchancen und Verlustrisiken sowie intensivere Aufklärung über die Gefahren der Spielsucht – besonders in Zeiten, in denen die sozialen und psychischen Belastungen durch Krisen wie die Corona-Pandemie zunehmen.
Wenn du selbst oder jemand in deinem Umfeld Anzeichen einer Spielsucht zeigt – wie ständiges Denken ans Spielen, erfolglose Versuche aufzuhören oder das Verheimlichen von Verlusten – solltest du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet anonyme und kostenlose Beratung an. Denn eines ist klar: Spielsucht ist eine ernsthafte Erkrankung, die behandelt werden kann und muss – bevor sie, wie im Fall von Max Kruse, Millionen verschlingt oder Existenzen zerstört.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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