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Das am 4. April erschienene Album ist mehr als nur eine Aneinanderreihung von Tracks – es ist ein musikalisches Manifest, das Kozes künstlerische Entwicklung dokumentiert. „Ich spiele keine Nummer, die ich nicht fühle, trotzdem kann ich versuchen, einen Groove zu entwickeln“, erklärte er kürzlich in einem Interview mit der Groove. Diese Philosophie spiegelt sich in jedem der 15 Songs wider, die zwischen tanzbarem House, verträumtem Ambient und experimentellen Klanglandschaften pendeln.
Besonders beeindruckend ist die Zusammenarbeit mit Damon Albarn auf dem Track „Pure Love“, der von Pitchfork als „Abstraktion eines Ethno-Songs“ beschrieben wird. Die spontanen Lacher des Gorillaz-Frontmanns verleihen dem Stück eine authentische Note, die typisch für Kozes organischen Produktionsstil ist.
Ein weiteres Highlight ist „Unbelievable“ mit Ada, dessen süßlich-melancholische Stimmung an David-Lynch-Soundtracks erinnert. „What About Us“ mit Markus Acher von The Notwist verbindet digitale Klänge mit existenziellen Themen: „Above our heads the sky’s exploding/We hold a world that disappears“ – ein textliches Beispiel für die Tiefe, die Koze in seine Musik einwebt.
Koze betont in Interviews immer wieder die Bedeutung des solitären Arbeitens für seinen kreativen Prozess: „Das solitäre Arbeiten ist der beste Modus des Musikmachens“, verriet er dem HHV-Mag. Diese Herangehensweise erlaubt ihm, seine künstlerische Vision unverfälscht umzusetzen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen.
Mit zunehmendem Erfolg nimmt Koze eine autoritärere Rolle im Produktionsprozess ein. „Menschliche Anwesenheit ist überbewertet“, meint er provokant und bezieht sich dabei auf die oft kurzen, aber präzisen Beiträge seiner Gesangsgäste, während er selbst stundenlang an den Details eines Tracks feilt.
Während für viele die COVID-19-Pandemie eine belastende Zeit war, empfand Koze die Lockdowns als willkommenen Rückzug. „Wer braucht Antikscheißmöbel, Gucci, edle Vorhänge?“, fragt er rhetorisch und hinterfragt damit die Konsumgesellschaft und ihre Werte.
Diese könkratische Sichtweise auf gesellschaftliche Normen spiegelt sich auch in seiner Musik wider, die oft als Gegenentwurf zum funktionalen Techno oder dem Business-orientierten DJ-Jetset verstanden werden kann. Koze, der sich selbst als „Paradiesvögelchen“ bezeichnet, vereint in seiner Kunst gegensätzliche Elemente: analytische Betrachtung der Musikindustrie einerseits und das Streben nach künstlerisch-spirituellem Ausdruck andererseits.
Ein zentrales Thema in Kozes Werk ist der Eskapismus, inspiriert durch den Gedanken des Jazz-Pioniers Sun Ra, neue Welten zu entdecken. „Enjoy the Talfahrt!“ – dieser Ausruf fasst Kozes Haltung zum künstlerischen Risiko zusammen. Er erkennt die Gefahren an, die mit dem Erkunden neuer Klangwelten verbunden sind, sieht darin aber auch die Chance für künstlerische Innovation.
Besonders deutlich wird dies in Tracks wie „Der Fall“ mit Sophia Kennedy, der das Gefühl der Instabilität thematisiert: „Der Boden beginnt zu schwanken…doch Ich find daran Gefallen.“ Hier verbindet Koze persönliche Erfahrungen mit musikalischer Erinnerung und schafft so einen emotionalen Resonanzraum für seine Hörer.
Seine Fähigkeit, verschiedene musikalische Traditionen zu adaptieren und respektvoll zu interpretieren, zeigt sich in Tracks wie „A Dónde Vas?“ mit Einflüsse aus dem son Cubano oder „Umaoi“, das japanisches Doo-Wop aufgreift. Trotz möglicher Kritik an künstlerischer Aneignung behandelt Koze diese Einflüsse mit Respekt und schafft eine Brücke zwischen verschiedenen musikalischen Welten.
Als erfahrener DJ reflektiert Koze auch über die Veränderungen in der Clubszene und die Herausforderungen des DJ-Daseins. „Es gibt noch diesen Club, aber diese Szene ist dann doch nicht so groß“, bemerkt er über die Auswirkungen der Pandemie auf die japanische Clubkultur. Er unterscheidet zwischen einem belesenen Publikum und Partygästen, die oft keinen tieferen Bezug zur Musik haben.
Dabei spricht er offen über mentale Gesundheitsthemen im Kontext des DJ-Lebens: „Der Job ist hart… DJs sind oft sehr empfindsame Menschen mit großen Antennen.“ Das ständige Reisen und Performen stellt hohe Anforderungen, die nicht jeder bewältigen kann.
Mit „Music Can Hear Us“ beweist DJ Koze einmal mehr seine Position als einer der innovativsten und tiefgründigsten Produzenten der elektronischen Musikszene. Das Album, von Pitchfork mit dem Titel „Best New Music“ ausgezeichnet, zeigt seine unstillbare Neugier und kindliche Freude am musikalischen Experimentieren. Es lädt dazu ein, den Verstand „einzuwattieren“ – wie Koze es nennt – und sich vollständig auf eine Klangreise einzulassen, die weit über das Gewöhnliche hinausgeht.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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