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Nach dem Abschied ihres charismatischen Frontmanns Isaac Wood im Jahr 2022 standen Black Country, New Road vor einer existenziellen Herausforderung. Heute, mit der Veröffentlichung ihres Albums „Forever Howlong“, beweist das britische Experimental-Kollektiv eindrucksvoll, dass sie diese Krise nicht nur überwunden haben, sondern gestärkt daraus hervorgegangen sind. Das von James Ford produzierte Werk markiert den offiziellen Beginn einer neuen Ära für die Band und zeigt eine bemerkenswerte musikalische Evolution, die von Kritikern bereits als „jubilante Wiedergeburt“ gefeiert wird.
Die größte Veränderung im Klangbild von Black Country, New Road ist die Neuverteilung der Gesangsparts. Nach Woods Ausstieg teilen sich nun Georgia Ellery, Tyler Hyde und May Kershaw die vokalen Aufgaben. Ihre harmonischen Stimmen verleihen dem Album eine vollständig neue Ästhetik, die sich deutlich vom nervösen Post-Punk der Anfangstage unterscheidet.
Der Eröffnungstrack „Besties“ demonstriert sofort den neuen Ansatz der Band: Spielerisch und doch komplex kombinieren sie orchestrale Elemente mit DIY-Charme. Die melancholischen Texte werden von einer reichen Instrumentierung getragen, die von Kershaws Cembalo bis hin zu Lewis Evans‚ charakteristischem Saxophon reicht. Wie DIY Magazine treffend bemerkt: „Durch die Umleitung ihres Sounds, ihrer Texte und tätlich der Sänger redefiniert ‚Forever Howlong‘, wer BCNR sind. Ihr unerschütterlicher Wunsch, ihre Musik neu zu erfinden, bleibt jedoch konstant.“
Inhaltlich kreist „Forever Howlong“ um Themen wie Freundschaft, Veränderung und die Akzeptanz von Verlust. Der Titeltrack überrascht mit dem ungewöhnlichen Einsatz von Blockflöten – ein humorvoller und zugleich kunstvoller Verweis auf oft belächelte Schulinstrumente. Besonders beeindruckend ist der Song „Nancy Tries to Take the Night“, der die innere Zerrissenheit der Protagonistin durch verschiedene Stilrichtungen von Breakbeat bis hin zu Anklänfen an Steve Reich und The Pogues vertont.
In „Mary“ kommen alle drei Sängerinnen zusammen und erzeugen harmonische Momente, die die komplexe Verbindung zwischen ihnen verdeutlichen. „For the Cold Country“ wird von Kritikern als Höhepunkt des Albums beschrieben, ein modernes barockes Pop-Stück, das nostalgische Erzählungen mit innovativen Arrangements verbindet.
Trotz überwiegend positiver Resonanz gibt es auch kritische Stimmen. In einer Rezension bei Boolin Tunes wird bemängelt, dass einige Tracks strukturelle Probleme aufweisen und entweder zu sehr mäandern oder über ihren natürlichen Schlusspunkt hinausgehen. Der Reviewer merkt an: „Trotz des offensichtlichen Talents kämpft das Album mit struktureller Konsistenz.“
Langzeitfans könnten zudem den selbstbewussten, intensiveren Sound der Wood-Ära vermissen. MusicOMH fasst dieses Spannungsfeld gut zusammen: „Forever Howlong mag verfeinert sein, bleibt aber abenteuerlich und komplex. Viele werden den Verlust von Woods Präsenz betrauern, doch die, die diese neue Ära annehmen, finden ein Album voller Wärme und komplexer musikalischer Entdeckungen.“
Mit „Forever Howlong“ positionieren sich Black Country, New Road als eine der innovativsten Bands der britischen Musikszene. Under the Radar bezeichnet das Album sogar als „eines der aufregendsten und vielfältigsten der letzten Dekade aus dem UK“. Die Mischung aus Folk-Elementen, improvisatorischen Jazz-Passagen und kammermusikalischen Arrangements erinnert gelegentlich an Folk-Pioniere wie die Incredible String Band oder moderne Künstler wie Joanna Newsom.
Die stilistische Verschiebung von chaotischer Energie zu besonnener Introspektion spiegelt nicht nur die persönliche Entwicklung der Band wider, sondern auch ihre Fähigkeit, sich neu zu erfinden, ohne ihre künstlerische Integrität zu kompromittieren. Rolling Stone UK lobt diese Balance: „Der neue Sound bietet Stabilität, die der Band eine vielversprechende Karriere ermöglichen sollte.“
Letztendlich thematisiert „Forever Howlong“ den Wandel und die Akzeptanz dessen, auch wenn dadurch das frühere Ich verloren geht. Wie Exclaim treffend bemerkt: „Wie die Königin der Nacht entfaltet es sich weit und selbstbewusst; seine Essenz bleibt, auch wenn die Blüten schnell zur Erde fallen.“
Mit diesem Album beweisen Black Country, New Road eindrucksvoll, dass manchmal gerade aus Krisen und Veränderungen die interessantesten künstlerischen Entwicklungen entstehen können. Die Band hat sich transformiert, doch ihre künstlerische Essenz ist stärker denn je – bereit, erneut zu erblühen und neue Hörer zu begeistern.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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