Wirtschaft & Politik

Kaufland-Skandal: 500 Millionen Euro für Hygiene nach schockierenden Enthüllungen

today05.04.2025

Hintergrund

Eine RTL-Reportage des „Team Wallraff“ und ein Bericht des Magazins „stern“ haben Kaufland, einen der größten Lebensmittelhändler Deutschlands, in eine tiefe Krise gestürzt. In 48 von 50 untersuchten Filialen wurden massive Hygienemängel dokumentiert – von Mäusebefall und Schimmel bis hin zu umetikettierten abgelaufenen Waren. Als Reaktion hat das Unternehmen nun einen umfassenden Fünf-Punkte-Plan vorgestellt, der jährliche Investitionen von einer halben Milliarde Euro in die Hygiene vorsieht.

Ekel-Bilder schockieren Millionenpublikum

Kaufland-Skandal: 500 Millionen Euro für Hygiene nach schockierenden Enthüllungen

Die am Donnerstag ausgestrahlte RTL-Sendung „Team Wallraff – Reporter undercover“ erreichte über 2 Millionen Zuschauer und zeigte erschreckende Aufnahmen aus verschiedenen Kaufland-Filialen. Besonders betroffen waren die Standorte in Homburg und Bad Tölz, die mittlerweile vorübergehend geschlossen wurden.

In der Homburger Filiale dokumentierte eine Undercover-Reporterin namens „Lina“ Mäusekot zwischen Brottüten und sogar eine tote Maus im Verkaufsbereich. Eine versteckte Kamera zeichnete innerhalb von sechs Stunden nach Ladenschluss 48 Mäusebewegungen auf. Eine Mitarbeiterin warnte im Gespräch: „Dort wo’s Toastbrot ist, ist es ganz gefährlich.“

In Bad Tölz wurden nicht weniger ekelerregende Zustände aufgedeckt. Hier zeigte die Reportage, wie abgelaufene Lebensmittel neu verpackt wurden und wie bei der Käsetheke schimmelige Stellen einfach abgeschnitten und die Reste als frisch verkauft wurden. Für die Reinigung der 3800 Quadratmeter großen Filiale war offenbar nur eine einzige Putzkraft zuständig.

Kauflands Krisenmanagement: Fünf-Punkte-Plan und Filialschließungen

Jochen Kratz, Vorstand Deutschland bei Kaufland, reagierte betroffen: „Die jüngsten Bilder aus unseren Filialen tun uns weh und machen uns betroffen. Die gezeigten Bilder entsprechen in keiner Weise unseren Standards im Umgang mit Lebensmitteln und Sauberkeit.“

Das zur Schwarz-Gruppe gehörende Unternehmen hat nun einen Fünf-Punkte-Plan vorgestellt:

1. Jährliche Investition von 500 Millionen Euro in neue Kühlmöbel und Hygienestandards
2. Grundreinigung sämtlicher Filialen in Deutschland
3. Externe Qualitätssicherungsinstitute zur Überprüfung der Prozesse
4. Komplette Grundsanierung der Filiale in Homburg
5. Neubesetzung der Führungsteams in den betroffenen Filialen

Die Filiale in Homburg soll für sechs Monate geschlossen bleiben, während die Bad Tölzer Filiale nach einer Woche intensiver Reinigung am 14. April wieder öffnen soll.

Systemisches Problem oder Einzelfälle?

Die Gewerkschaft ver.di sieht in den Hygienemängeln ein systemisches Problem. Corinna Groß, Gewerkschaftsvertreterin, kritisierte die Maßnahmen des Unternehmens: „Es wird wieder einmal Druck auf die Beschäftigten ausgeübt, statt sich ernsthaft mit den Ursachen der Probleme auseinanderzusetzen. Die zahlreichen Mängel sind eine Folge der erheblichen Personaleinsparungen. Das Unternehmen verlangt kontinuierlich mehr Leistung von immer weniger Mitarbeitenden.“

Tatsächlich berichteten mehrere Mitarbeiter in der RTL-Dokumentation von einem massiven Zeitdruck, der oft zu Lasten der Hygiene gehe. In der Reportage wurde auch ein angebliches „Klima der Angst“ thematisiert, das in den Filialen herrsche.

Behördliche Konsequenzen

Die Enthüllungen haben bereits behördliche Konsequenzen nach sich gezogen. In Homburg wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Das Umweltministerium des Saarlandes und das Ordnungsamt der Stadt Homburg sind eingeschaltet worden.

Kaufland erklärte über die Deutsche Presse-Agentur: „Bereits vor der Berichterstattung haben wir die Vorfälle umfassend überprüft und Maßnahmen zur Behebung der Mängel eingeleitet.“ Das Unternehmen, das in Deutschland über 770 Filialen betreibt und mehr als 90.000 Mitarbeiter beschäftigt, steht nun vor der Herausforderung, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Vorwürfe gegen die DHBW Heilbronn

Im Rahmen der Recherchen wurden auch Vorwürfe gegen die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn erhoben. Eine anonyme Professorin behauptete, die Schwarz-Gruppe, zu der Kaufland gehört, würde Einfluss auf die Bewertung ihrer Studierenden ausüben.

Die DHBW hat diese Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Beate Scheubrein, Dekanin des Studiengangs BWL-Handel, und Thomas Schmidt, Leiter des Studiengangs BWL-Konsumgüterhandel, betonten im SWR-Interview, dass es keinerlei Druck von der Schwarz-Gruppe gebe und dass Studierende des Unternehmens durchaus auch durch Prüfungen fallen könnten.

Wie geht es weiter?

Kaufland-Vorstand Jochen Kratz kündigte an, externe Experten einzubeziehen, um Abläufe und Kontrollmechanismen zu überprüfen: „Ich nenne es einen Qualitäts-TÜV für unsere Prozesse.“ Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, um das angeschlagene Image zu reparieren und die grundlegenden Probleme zu beheben, bleibt abzuwarten.

Als Verbraucher kannst du indes bei deinem nächsten Einkauf genauer hinschauen – nicht nur bei Kaufland, sondern in allen Lebensmittelgeschäften. Achte auf Sauberkeit in den Regalen, den Zustand der Kühltheken und die Frische der angebotenen Ware. Wenn dir etwas verdächtig vorkommt, scheue dich nicht, das Personal anzusprechen oder gegebenenfalls eine Beschwerde einzureichen.

Geschrieben von: RadioMonster.FM