Wirtschaft & Politik

Lebt Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub doch? Mysteriöse Moskau-Fotos sorgen für Aufruhr

today21.03.2025

Hintergrund

Ein spektakulärer Fall sorgt derzeit für Schlagzeilen in der deutschen Wirtschaftswelt: Neue Fotos aus Moskau zeigen einen Mann, der dem 2018 verschwundenen Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub zum Verwechseln ähnlich sieht. Mit einer Übereinstimmung von 99 Prozent laut Experten könnten diese Aufnahmen die offizielle Todeserklärung des Milliardärs in Frage stellen und familiäre wie rechtliche Konflikte neu entfachen.

Das mysteriöse Verschwinden am Matterhorn

Lebt Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub doch? Mysteriöse Moskau-Fotos sorgen für Aufruhr

Die Geschichte begann am 7. April 2018. An diesem Tag verschwand der damals 58-jährige Karl-Erivan Haub während eines Solo-Skitrainings am Matterhorn in den Schweizer Alpen. Eine Überwachungskamera an der Bergstation Klein Matterhorn zeichnete ihn zum letzten Mal gegen 9 Uhr morgens auf. Trotz umfangreicher Suchaktionen blieb Haub verschollen, und im Oktober 2018 wurden die Bemühungen schließlich eingestellt.

Drei Jahre später, am 14. Mai 2021, erklärte das Amtsgericht Köln den Unternehmer offiziell für tot – auf Antrag seines Bruders Christian Haub, der nach dem Verschwinden die alleinige Führung des Tengelmann-Konzerns übernommen hatte. Der Fall schien abgeschlossen. Bis jetzt.

Brisante Fotos werfen neue Fragen auf

Die kürzlich von der Zeitschrift „Manager“ veröffentlichten Aufnahmen stammen angeblich vom 19. und 20. Februar 2021 – also kurz vor der offiziellen Todeserklärung. Sie zeigen einen Mann mit blauer Wollmütze in Moskau, der frappierend Karl-Erivan Haub ähnelt. Das Sicherheitsunternehmen Interfor hat in zwei unabhängigen Gutachten die Echtheit der Bilder bestätigt. Eine Expertin der University of British Columbia identifizierte die Person mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent als den vermissten Milliardär.

Besonders brisant: Christian Haub soll mehr als eine Million Euro für die Beschaffung dieser Fotos gezahlt haben – während er gleichzeitig eidesstattlich versicherte, keine Hinweise auf das Überleben seines Bruders zu haben. Diese Diskrepanz hat nun rechtliche Konsequenzen.

Ermittlungen und rechtliche Auseinandersetzungen

Die RTL-Journalistin Liv von Boetticher hat Strafanzeige gegen Christian Haub wegen mutmaßlicher Falschaussage erstattet. Die Staatsanwaltschaft Köln führt entsprechende Ermittlungen durch. Im Falle einer Verurteilung könnte Christian Haub mit bis zu drei Jahren Haft rechnen.

Mark Binz, der Anwalt von Christian Haub, bestreitet, dass sein Mandant die Bilder gekannt habe. Gleichzeitig räumt er ein, dass Christian Haub „Bilder aus Moskau gesehen“ habe, aber überzeugt sei, dass es sich nicht um seinen Bruder handle. Die Staatsanwaltschaft sieht derzeit keinen Anlass, die Todeserklärung aufzuheben.

Spuren nach Russland

Interessanterweise führten bereits kurz nach dem Verschwinden des Tengelmann-Chefs Spuren nach Russland. Von Boetticher berichtete von einer mutmaßlichen Geliebten Haubs, die Verbindungen zum russischen Inlandsgeheimdienst FSB gehabt haben soll. Diese Verknüpfung zu Russland gibt den neuen Fotos zusätzliches Gewicht.

Bereits 2023 waren andere Bilder aufgetaucht, die Haub in Moskau zeigen sollten. Biometrische Software bestätigte damals eine Übereinstimmung von über 90 Prozent. Die aktuellen Aufnahmen scheinen diesen Verdacht weiter zu erhärten.

Familiäre Machtkämpfe

Nach dem Verschwinden von Karl-Erivan Haub kam es zu Umstrukturierungen im Familienunternehmen. Christian Haub übernahm die alleinige Geschäftsführung der Tengelmann-Gruppe, während die übrigen Anteile an den dritten Bruder, Georg Haub, gingen. Die Todeserklärung festigte diese neue Machtverteilung rechtlich.

Sollte sich herausstellen, dass Karl-Erivan Haub tatsächlich noch am Leben ist und sein Verschwinden möglicherweise inszeniert hat, würde dies nicht nur rechtliche Konsequenzen für Christian Haub haben, sondern könnte auch die gesamte Unternehmensstruktur in Frage stellen.

Zwischen Skepsis und Sensation

Während die neuen Fotos für viele überzeugende Beweise darstellen, mahnen andere zur Vorsicht. Die Qualität der Aufnahmen ist nicht optimal, und ohne Zugang zu den Rohdaten bleibt Raum für Zweifel. Mark Binz macht die Staatsanwaltschaft für den fehlenden Zugang zu diesen Daten verantwortlich.

„In einer Zeit, in der Bildmanipulation immer einfacher wird, müssen wir bei solchen sensationellen Behauptungen besonders kritisch sein“, kommentierte ein Sicherheitsexperte kürzlich den Fall. Andererseits erscheint die hohe Übereinstimmungsrate von 99 Prozent kaum als Zufall.

Für die Öffentlichkeit bleibt der Fall Karl-Erivan Haub vorerst ein faszinierendes Rätsel. Lebt der Milliardär tatsächlich unerkannt in Russland? Hat er sein Verschwinden selbst inszeniert, möglicherweise im Zusammenhang mit dubiosen Geschäften? Oder handelt es sich bei den Fotos um eine raffinierte Täuschung?

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen intensiviert und ob weitere Beweise auftauchen. Bis dahin gilt für Christian Haub die Unschuldsvermutung – und für seinen Bruder Karl-Erivan offiziell weiterhin die Todeserklärung.

Geschrieben von: RadioMonster.FM