Wirtschaft & Politik

Liberation Day: Trump verhängt massive Zölle gegen die EU und die Welt

today02.04.2025

Hintergrund

Die internationale Handelswelt steht vor einem Wendepunkt. US-Präsident Donald Trump hat den heutigen 2. April 2025 zum „Liberation Day“ erklärt und eine Welle neuer Zölle angekündigt, die besonders die Europäische Union hart treffen werden. Mit Aufschlägen von 20% auf alle Waren aus der EU, 34% auf chinesische Produkte und zusätzlichen 25% auf sämtliche im Ausland gefertigten Autos setzt Trump seine protektionistische Agenda mit voller Wucht um und löst damit weltweit Besorgnis aus.

Trumps Zolloffensive: Ein „Befreiungsschlag“ mit weitreichenden Folgen

Liberation Day: Trump verhängt massive Zölle gegen die EU und die Welt
Daniel Torok, Public domain, via Wikimedia Commons

Donald Trump inszenierte seine Ankündigung heute mit großer Geste vor Anhängern und erklärte: „Die Zölle werden zu Wachstum führen, wie Sie es noch nie zuvor gesehen haben.“ Mit einer überdimensionalen Tafel veranschaulichte er seine Vision, wie diese Maßnahmen angeblich dazu beitragen sollen, Arbeitsplätze und Produktionskapazitäten in die USA zurückzuholen. Für Trump ist der selbst ausgerufene „Liberation Day“ ein Symbol der Befreiung von vermeintlich unfairen Handelspraktiken anderer Länder.

Besonders die EU steht im Fokus seiner Kritik, da sie mehr Waren in die USA exportiert als umgekehrt. Die geplanten Zölle sind dabei keine leeren Drohungen – bereits seit März gelten erhöhte Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte, und die neuen Maßnahmen sollen bereits ab morgen Mitternacht in Kraft treten.

Die EU zwischen Verhandlungsbereitschaft und Gegenschlag

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagierte umgehend und machte deutlich, dass Europa nicht tatenlos zusehen wird. „Wir wollen nicht unbedingt zurückschlagen, aber wenn es notwendig wird, haben wir einen starken Plan“, erklärte sie. Die EU hat bereits Gegenmaßnahmen in Form von Zöllen auf amerikanische Produkte wie Jeans und Whiskey angedroht, deren Umsetzung vorerst verschoben wurde, um Verhandlungsspielraum zu schaffen.

Wirtschaftsexperten sehen in einer möglichen Digitalsteuer auf US-Technologieunternehmen das „größte Schwert“ der EU im Handelsdisput. „Die Europäische Union verfügt durchaus über effektive Mittel, um auf die amerikanischen Provokationen zu reagieren“, erklärt ein Handelsexperte aus Brüssel. „Besonders die großen Tech-Giganten aus den USA könnten empfindlich getroffen werden.“

Globale Reaktionen: Neue Allianzen gegen den Protektionismus

Während die USA und die EU in einen Zollkonflikt geraten, formieren sich weltweit neue Handelsallianzen. Kanadas Sonderbeauftragter für Europa, Stéphane Dion, betonte, dass Kanada das „europäischste nicht-europäische Land“ sei und damit ein idealer Partner für erweiterte Freihandelsabkommen mit der EU. Das bestehende CETA-Abkommen könnte durch den US-Protektionismus an Bedeutung gewinnen.

Auch im asiatischen Raum gibt es Bewegung: China, Japan und Südkorea haben trotz politischer Differenzen begonnen, engere Handelsbeziehungen aufzubauen. Südkoreas Handelsminister Ahn Duk-geun lud seine Amtskollegen bereits zu einem trilateralen Treffen nach Seoul ein, um gemeinsame Strategien zu entwickeln.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, sieht in diesen Entwicklungen einen verzweifelten Versuch, den freien Welthandel zu retten: „Es geht darum, möglichst viel vom freien Welthandel zu erhalten, damit nicht das ganze System den Bach runtergeht.“ Gleichzeitig warnt er vor den langfristigen Folgen für die USA selbst: „Langfristig bedeutet das, dass die Amerikaner sich zum guten Teil zurückziehen aus der internationalen Arbeitsteilung.“

Wirtschaftliche Auswirkungen für Exportnationen

Für exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland könnte der Zollkonflikt dramatische Folgen haben. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) skizziert drei mögliche Wege, um auf den US-Protektionismus zu reagieren: Verhandlungen mit den USA, Gegenzölle oder die Vertiefung des EU-Binnenmarkts bei gleichzeitigem Ausbau der Beziehungen zu anderen Freihandelspartnern.

Handelsexpertin Sonali Chowdhry vom DIW betont: „Nur die dritte Option kann langfristig zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum führen.“ Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier von der University of California geht noch weiter: „Alle Berechnungen sagen: Es kann einfach nur negativ sein für die Wirtschaft.“ Sie warnt davor, dass eine Eskalation des Konflikts Europa mehr schaden könnte als nutzen.

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger, sieht in der aktuellen Situation auch eine Chance für notwendige Reformen: „Die Belastung durch US-Zölle zwingt uns, Bürokratie abzubauen und private Investitionen zu stärken.“

Was bedeutet das für dich als Verbraucher?

Die neuen Zölle werden sich aller Voraussicht nach auf die Preise zahlreicher Produkte auswirken. Besonders deutlich könnte dies bei Autos spürbar werden, wo die zusätzlichen 25% Zoll direkte Preiserhöhungen nach sich ziehen dürften. Auch bei Elektronikprodukten, Kleidung und vielen Alltagsgegenständen musst du mit steigenden Preisen rechnen.

Experten warnen zudem vor einer möglichen Inflationssteigerung in Folge der Zollspirale. Claudia Bates, Wirtschaftsanalystin, erklärt: „Diese Zölle rufen große Verunsicherung an den internationalen Börsen hervor und könnten zu einer Destabilisierung der Weltwirtschaft führen, deren Auswirkungen letztlich alle Verbraucher zu spüren bekommen werden.“

Der „Liberation Day“ könnte sich somit als Beginn einer neuen Ära im Welthandel erweisen – allerdings nicht unbedingt als Befreiung, sondern vielmehr als Auftakt zu einem kostspieligen Handelskrieg, dessen Ende und Folgen noch nicht abzusehen sind.

Geschrieben von: RadioMonster.FM