Musik

Will Smith kehrt mit ‚Based On A True Story‘ zur Musik zurück – Erfolg oder Fehlschlag?

today02.04.2025

Hintergrund

Nach zwei Jahrzehnten musikalischer Abstinenz meldet sich Hollywood-Star Will Smith mit seinem neuen Album ‚Based On A True Story‘ zurück auf der Rap-Bühne. Der mittlerweile 56-jährige Superstar, bekannt für seine familienfreundlichen Hits der 90er Jahre, versucht sich an einem zeitgemäßen Comeback – doch kann der Fresh Prince nach so langer Pause noch frische Töne anschlagen oder bleibt seine Rückkehr hinter den Erwartungen zurück?

Zwischen Barbershop-Gesprächen und Selbstinszenierung

Will Smith kehrt mit 'Based On A True Story' zur Musik zurück - Erfolg oder Fehlschlag?

Das Album beginnt mit einer interessanten Einleitung: „Will Smith is canceled!“ ertönt es, gefolgt von einem fiktiven Barbershop-Dialog, in dem Will Smith und sein langjähriger Partner DJ Jazzy Jeff über Smiths Karriere und öffentliches Image diskutieren. Diese Eröffnung weckt hohe Erwartungen – schließlich liegt der Oscar-Skandal, bei dem Smith Chris Rock ohrfeigte, erst drei Jahre zurück. Die Hoffnung auf tiefgründige Selbstreflexion wird jedoch schnell gedämpft.

Statt sich ernsthaft mit seinen Kontroversen auseinanderzusetzen, nutzt Smith große Teile des Albums, um sich selbst als den „Größten und Besten“ darzustellen. In Tracks wie „Tantrum“ und „You Lookin‘ for Me?“ präsentiert er sich selbstbewusst, wirkt dabei aber oft oberflächlich. Die Kritik an ihm interpretiert er hauptsächlich als Neid auf seinen Erfolg – eine Haltung, die in Zeiten von erwarteter Selbstreflexion antiquiert wirkt.

Musikalische Vielfalt mit Höhen und Tiefen

Stilistisch bewegt sich das Album zwischen verschiedenen Genres: Von Pop-Rap über monumentale Filmmusik-Anleihen bis hin zu modernen Trap-Elementen versucht Smith, verschiedene Zielgruppen anzusprechen. Nostalgische Momente wie in „Int. Barbershop Day“, wo er gemeinsam mit DJ Jazzy Jeff alten West-Philly-Pop-Hop zelebriert, gehören zu den stärkeren Passagen des Albums.

Ein positiver Ausreißer ist der Song „First Love“, der mit authentischen Gefühlen überzeugt und weniger konstruiert wirkt als andere Tracks. Wie Rick Rubin in seinem Podcast „Broken Record“ anmerkte: „Will hat seinen lebensfrohen Stil gegen etwas Dunkleres und Komplexeres eingetauscht – aber es bleibt inspirierend.“

Zwischen Spiritualität und Pathos

Auffällig ist die starke religiöse Komponente des Albums. Unter dem Pseudonym „The Reverend“ präsentiert Smith pathetische Ansprachen, die das gesamte Werk durchziehen. Besonders der Gospelsong „You Can Make It“ mit dem Sunday Service Choir polarisiert – für manche Hörer mag er inspirierend wirken, für andere klingt er übertrieben und künstlich.

Im Kontrast dazu steht der Abschlusstrack „Work of Art“, auf dem Smith gemeinsam mit seinem Sohn Jaden und Rapper Russ eine modernere, weniger aufdringliche Form von Spiritualität präsentiert. Dieser Track zeigt, dass Smith durchaus in der Lage ist, zeitgemäße Musik zu produzieren, wenn er sich von übermäßigem Pathos fernhält.

Die Auseinandersetzung mit dem Oscar-Skandal

Eine der größten Erwartungen an das Album war Smiths Auseinandersetzung mit dem Oscar-Vorfall von 2022. In „You Lookin‘ for Me?“ reflektiert er tatsächlich über seinen öffentlichen Ruf und den Skandal, bleibt dabei jedoch eher an der Oberfläche. Smith erkennt zwar an, dass Verständnis für ihn noch Zeit benötigen wird, doch tiefere Einblicke in seine psychologische Verfassung bleiben aus.

„Smith ist mittlerweile ein besserer Geschichtenerzähler als Rapper“, urteilte das Rolling Stone Magazin treffend. Tatsächlich wirkt das Album oft, als wäre es besser als Ergänzung zu seiner Autobiografie oder in einem ausführlichen Interview aufgehoben gewesen.

Ein Comeback ohne Notwendigkeit?

Die Frage bleibt: War dieses musikalische Comeback nötig? Im Vergleich zu Altersgenossen wie Common oder Ice Cube, die auch nach Jahrzehnten im Geschäft noch relevante Musik produzieren, wirkt Smiths Rückkehr weniger zwingend. Seine Stärken liegen eindeutig im Schauspiel und in der Unterhaltungsbranche, nicht im aktuellen Musikgeschäft.

Wie Will Smith selbst in einem Billboard-Interview sagte: „Das größte Vergnügen für mich ist es, zu sehen, wie Menschen zuhören, klatschen, weinen oder von der Schaffung eines unvergesslichen Moments gefesselt sind. Filme können das sicherlich leisten, aber nicht so wie Musik.“ Leider gelingt es ihm auf „Based On A True Story“ nur selten, solche unvergesslichen Momente zu schaffen.

Insgesamt bleibt „Based On A True Story“ ein Album mit interessanten Ansätzen, aber auch vielen verpassten Chancen. Für Nostalgiker und langjährige Fans mag es einige Highlights bieten, doch für den aktuellen Hip-Hop-Diskurs bleibt es weitgehend irrelevant – eine Rückkehr, die weder vollständig gelingt noch komplett scheitert, sondern einfach in der Mittelmäßigkeit verharrt.

Geschrieben von: RadioMonster.FM